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Machst Du auch TFP-Shootings?

Früher habe ich ausschließlich auf TFP-Basis fotografiert. Die Fotografie war mein Hobby, mit dem ich Zeit verbringen wollte und von daher habe ich fast jede TFP-Anfrage angenommen, die halbwegs in mein Portfolio passte. 


Aber was heißt eigentlich TFP? Es bedeutet „time for prints“ oder „time for pictures“ – also beide Parteien (Model und Fotograf) bringen ihre Zeit ein. Es fließt kein Geld und am Ende haben beide Seiten tolle neue Bilder, die ihr Portfolio bereichern. OK – heute gibt es die Bilder nicht mehr unbedingt als Print, sondern digital, aber das ändert nichts an dem Prinzip „Zeit gegen Bilder“.

 

Apropos Zeit: Was schätzt Du, wieviel Zeit man als Fotograf in ein TFP-Shooting investiert? Das Shooting selbst dauert bei mir im Schnitt ca. 1,5 bis 2 Stunden. Kameratasche packen, zur Location und wieder zurück fahren...sagen wir, insgesamt ca. 3-4 Stunden, bis die Bilder im Kasten sind. 

Diese Zeit bringt das Model ebenfalls in das Shooting ein (statt Kameratasche packen steht da natürlich Klamotten aussuchen und Schminken auf dem Plan ;) )

Bisher ist also Gleichstand ;) .

 

Nach dem Shooting hat das Model Feierabend, aber für den Fotografen beginnt erst die Arbeit: Fotos sichern, Fotos sichten. Aussuchen, welche bearbeitet werden sollen. Und dann die Bearbeitung. Viele Fotografen kaufen sich Presets und legen diese über ihre Bilder, um ihren Workflow zu beschleunigen. Das macht natürlich vor allem bei Hochzeitsfotografen Sinn, die innerhalb kürzester Zeit Berge von Fotos bearbeiten müssen. Ich gebe zu, ich habe mir auch Presets gekauft und dachte, ich würde damit schneller und einfacher arbeiten. Aber was soll ich sagen? Ich habe die Presets ganz schnell wieder verworfen. Nicht, weil sie schlecht waren, aber ich habe mich am Ende nicht in den Fotos wiedergefunden. Es war einfach nicht mein Bearbeitungsstil. Bei manchen Bildern, die ich im Netz sehe, denke ich: Oh, das könnte ein Bild von Fotograf XY sein...oder zumindest von jemandem, der sein Preset gekauft hat. Die Bilder sind zwar toll, aber eben nicht einzigartig.

 

Ich möchte aber, dass meine Kunden mich buchen, weil sie meinen eigenen, ganz persönlichen Bild- und Bearbeitungsstil mögen. Und so erarbeite ich für jedes Shooting einen individuellen Bildlook, der meiner Meinung nach genau zu diesem Shooting, dieser Person und dieser Location passt. Bei Porträts gehört eine dezente, aber wirkungsvolle Hautretusche mit zum Standardprogramm. Kurz und gut: gerade bei Porträts benötige ich pro Bild im Schnitt 20-30 Minuten für die Bearbeitung. 

 

Bei der Herausgabe der Bilder eines TFP-Shootings war ich immer sehr großzügig. Je nach Länge des Shootings und der Anzahl der fotografierten Sets hat von mir jedes Model zwischen 15 und 35 Bilder bekommen. (Zum Vergleich: es gibt Fotografen, die grundsätzlich nur 3 Bilder herausgeben.)

Jetzt dürft Ihr mal rechnen, wie lange ich im Schnitt mit einem TFP-Shooting beschäftigt war.

 

TFP-Shootings finde ich nach wie vor wichtig. Bei einem Kundenshooting stehen die Wünsche des Kunden im Vordergrund. Der Kunde bezahlt Geld und soll dafür die bestmögliche Leistung bekommen und am Ende super zufrieden und glücklich mit seinen Bildern sein. 

Bei einem TFP-Shooting darf man mal kreativ sein und sich austoben, neue Dinge ausprobieren, experimentieren, neue Wege gehen. Und natürlich dient ein TFP-Shooting auch zum Portfolioaufbau, denn viele Kunden mögen nicht, dass ihre Bilder veröffentlicht werden, was auch völlig verständlich und in Ordnung ist.
Aber ein TFP-Shooting sollte eben für BEIDE Seiten einen Mehrwert bringen. 

 

Auf Anfragen wie „Hey, Du machst schöne Bilder, kannst Du mich auch mal fotografieren?“ werde ich in Zukunft meine Preisliste verschicken. 

Wenn Du auf TFP-Basis fotografiert werden willst, schau Dir bitte vorher mein Portfolio an und überzeuge mich, warum ich rund 20 Stunden Zeit in ein Shooting mit Dir investieren sollte, um anschließend Bilder von Dir zeigen zu dürfen. Bist Du vielleicht ein Typ Mensch, den ich noch nicht im Portfolio habe (das wäre aktuell z.B. weiblich, rote Haare, ausdrucksstarkes Gesicht und Sommersprossen) oder bist Du besonders ausdrucksstark und posingsicher? Hast Du eine tolle Idee, die Du mit mir umsetzen möchtest? Ein Foto von Dir oder ein link zu Deiner Fanpage o.ä. sollte selbstverständlich sein. 

 

Also: Solltest Du Interesse an einem TFP-Shooting haben, trau Dich ruhig zu fragen, ich beiße nicht und bin für TFP-Shootings offen! Aber beachte bitte dabei die von mir angesprochenen Dinge und zeige mir, dass Du nicht einfach „für lau“ schöne Bilder haben möchtest.

Im Übrigen: wenn ich selbst jemanden anschreibe, weil ich ihn gerne auf TFP-Basis fotografieren möchte (was durchaus vorkommt), halte ich mich ebenfalls an diese Regeln! Das ist selbstverständlich! 

 

Die Bilder, die Ihr hier in diesem Blog seht, sind ebenfalls bei einem TFP-Shooting entstanden. Unter dem Motto „Lichter der Stadt“ wollte ich ausprobieren, ob es möglich ist, Porträts Outdoor in der Dunkelheit zu machen und nur die abendlichen Lichter einer Stadt als Ausleuchtung zu nutzen. Dieses Experiment hätte ich niemals mit einer Kundin gemacht. Also habe ich Nicole gefragt, ob sie Lust auf dieses Projekt hätte. Ich kenne Nicole schon relativ lange und wir hatten bereits einige Shootings zusammen, so dass ich sicher sein konnte, dass sie mir nicht den Kopf abreißen würde, wenn das Projekt gescheitert wäre.

Ich bin natürlich trotzdem froh, dass Nicole die Ergebnisse gefallen haben! ;)  
Und zukünftig würde ich solche Bilder auch mit einer Kundin umsetzen.

 

Du hast tatsächlich bis hierher gelesen? Wow – das hat man heute nicht mehr so häufig.

Ich bedanke mich recht herzlich bei Dir und wünsche Dir einen schönen Tag!

 

Liebe Grüße,

 

Agnes

 

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