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Warum ist ein Fotoshooting so teuer?

Ich will doch „nur ein paar Fotos“ haben, warum kostet das so viel Geld?

 

Eins vorweg: ich möchte mich hier nicht für meine Preise rechtfertigen. Ich möchte lediglich aufklären und im besten Fall Verständnis dafür wecken, warum es bei einem seriösen, „nicht schwarz“ arbeitenden Fotografen kein Fotoshooting für „nen Appel und nen Ei gibt.“

 

Die Antwort auf die oben gestellte Frage ist eigentlich ganz einfach: ein Fotoshooting ist meistens nicht teuer. 

Viele wissen einfach nur nicht, wieviel Geld und Arbeit hinter alledem steckt und deswegen fehlt oft die Wertschätzung dafür. 

 

Auch aus Kollegenkreisen höre ich immer wieder, dass man sich als Fotograf für seine Preise rechtfertigen muss. Viele Leute denken, dass man ja nur auf den Auslöser drückt und im Idealfall macht das auch noch Spaß. Also kann Fotografieren ja keine Arbeit sein und darf kaum etwas kosten.


Zugegeben: bevor ich mich mit der Fotografie ernsthaft auseinandergesetzt habe, hatte ich vermutlich auch keine Vorstellung davon, was hinter „so ein paar Fotos“ alles an Kosten und Arbeit steckt.
Von daher will ich niemandem einen Vorwurf machen, wenn er so denkt. 

Aber gerade deswegen möchte ich hier versuchen zu erklären, dass Fotografieren nicht einfach nur „kurz auf den Auslöser drücken“ bedeutet, sondern dass einiges an Zeit, Arbeit und Kosten in jedem einzelnen Foto steckt.

 

Also: Was schätzt Du:

wie lange bin ich mit einem Auftrag für ein Fotoshooting von der ersten Anfrage bis zum Abliefern der Bilder beschäftigt?

OK – dann rechnen wir das mal durch:

  • Beantworten von Anfragen, Kommunikation mit dem Kunden vor und nach dem Shooting, Shootingvertrag und Rechnung erstellen etc. -> ca. 1 Stunde
  • Am Tag des Shootings: passende Objektive aussuchen, Akkus laden, Speicherkarten checken, Tasche und ggf. Accessoires packen, zum vereinbarten Ort fahren: -> 1 Stunde
  • Das Shooting selbst ist bei mir ohne Zeitlimit. Im Schnitt dauern Porträt- und Babybauchshootings ca. 1,5 - 2 Stunden, bei Neugeborenen sind es oft bis zu 4 Stunden. Also nehmen wir mal einen Durchschnittswert von 3 Stunden.
  • Heimfahrt, doppeltes Sichern der Daten und übertragen auf den Rechner: 1 Stunde
  • Vorauswahl der Bilder und Grundoptimierung: je nach Shooting und Anzahl der Bilder: ca. 3 Stunden.
  • Detaillierte Bearbeitung der Bilder für die Auswahlgalerie: je nach Shooting und Aufwand: 15-30 Minuten pro Bild. Nehmen wir also mal einen Durchschnittswert von 20 Minuten und eine durchschnittliche Anzahl von 30 Bildern in der Auswahlgalerie: macht 10 Stunden.
  • Hochladen der Bilder in eine Onlinegalerie und Versand an den Kunden: 15 Minuten
  • Nach der Auswahl des Kunden: Bestellung der Bilder als Print, Qualitätsprüfung nach Erhalt der Bilder, Verpackung und Versand an den Kunden: ca. 1 Stunde

 

So. Hast du mitgerechnet?

Ich komme hier auf etwas mehr als 20 Stunden. Wie gesagt – ein Durchschnittswert, der je nach Shooting und Anzahl der bestellten Bilder variiert.

Bei einem Neugeborenenshooting ist der Aufwand noch viel größer, da nicht nur das Shooting länger dauert, ich nehme ganz viele Accessoires zu den Eltern mit, was bedeutet, dass mindestens noch eine weitere Stunde mit Packen und wieder Entladen des Autos hinzu kommt. Ebenso die Reinigung der Decken und Wraps, die beim Shooting zum Einsatz kamen. Also nochmal mindestens 3 Stunden plus für ein Neugeborenenshooting.

 

Hättest Du das gedacht? Und dies ist nur der reine Zeitaufwand, der hinter einem Shooting steckt.
Der Zeitaufwand für alles was hinter den Kulissen abläuft (Buchhaltung, Marketing, Pflege der Webseite, Weiterbildung etc.) ist hier noch nicht mit eingerechnet und auch nicht zu unterschätzen. 


Hinzu kommen laufende Kosten für die Handwerkskammer, die BG, die GEZ, die Berufshaftpflichtversicherung, Steuerberater, Gebühren für die Verpackungslizenz etc. (man glaubt gar nicht, wer einen alles zur Kasse bittet, sobald man ein Gewerbe anmeldet – und sei es noch so klein). 

Kamera und Objektive kosten ein kleines vierstelliges Vermögen und auch die Homepage und die Bildbearbeitungssoftware sind nicht kostenlos. 

Fortbildungen und Erneuerung der Accessoires (speziell für die Neugeborenenshootings) müssen auch von Zeit zu Zeit sein und verschlingen einiges an Geld.

 

Wenn all diese Kosten durch die Einnahmen beglichen wurden, kommt erstmal das Finanzamt und schnappt sich einen ordentlichen Anteil vom Rest.
Für den Fotografen bleiben mit etwas Glück rund 1/3 vom Shootingpreis übrig. Wenn man diesen Betrag dann durch die Stunden teilt, die man mit dem Shooting beschäftigt war, bleibt in der Regel weniger als der Mindestlohn übrig. 

 

Du siehst – wenn es mir nur darum ginge, mit Fotos viel Geld zu verdienen, sollte ich die Fotografie besser an den Nagel hängen oder meine Preise drastisch anheben.
Aber ich tue es nicht. Denn zum Glück übe ich die Fotografie nur im Nebenberuf aus und muss davon nicht leben. Das gibt mir die Freiheit, weiterhin viel Herzblut in meine Projekte zu stecken, denn ich liebe was ich tue. 

Und ich hoffe, dass ich auch anderen Menschen mit meiner Arbeit viel geben kann – nämlich unbezahlbare Erinnerungen.

Konnte ich mit diesem kleinen Einblick etwas Verständnis bei Dir wecken?
Vielleicht siehst Du die ein oder andere Preisliste demnächst ja dann mit anderen Augen und erkennst den Wert, der tatsächlich hinter den Bildern und Erinnerungen steckt, die Du nach dem Shooting bekommst ;)

Es würde mich freuen.

 

Liebe Grüße,

Deine Agnes